Hausboote auf dem Eilbekkanal

Architekturwettbewerb der Freien und Hansestadt Hamburg

Der Erste Bürgermeister Hamburgs, Ole von Beust, hatte Hamburg das Leitbild „Wachsende Stadt“ verliehen. In diesem Rahmen ließ der Bezirk Hamburg Mitte die Realisierungsmöglichkeiten von „Wohnen und Arbeiten auf dem Wasser“ prüfen. Die mit dieser Aufgabe betrauten Gutachter „Architekturbüro Förster Trabitzsch Hamburg“ kamen zu dem Ergebnis, dass Hamburgs Potential auf dem Wasser bisher nicht genutzt wurde. Sie empfahlen, mittels einer “schwimmenden Perlenkette” von Hausbooten mit den Pilotstandorten “Hochwasserbassin” und “Bille” den Prozess des Lebens an und auf dem Wasser initiativ voran zu treiben. Ziel ist es dabei einerseits, die Wasserflächen der Stadt neu zu beleben, um die Attraktivität der Stadt zu steigern und andererseits im Kernbereich Hamburgs das Wohnen stärker zu etablieren.

Zitat aus ihrem Gutachten:

Mit den schwimmenden Häusern entsteht ein neues städtebauliches Element, welche Hamburgs Flair als Stadt am Wasser um eine maritime Facette reicher macht.

Im März 2006 beschloss der Senat im Rahmen eines Pilotprojektes, zunächst 10 Plätze für Hausboote am Nordufer des Eilbekkanals in uferparalleler Lage zu vergeben – fünf zwischen den Straßen Lerchenfeld und Finkenau, sowie fünf weitere zwischen Richardstraße und Wagnerstraße.

Die Standorte liegen in attraktiver Umgebung, nur etwa drei Kilometer entfernt von der Hamburger City, eineinhalb Kilometer östlich der Außenalster. Der baumbestandene Eilbekkanal bietet durch die unmittelbar angrenzenden kanalparallelen Straßen und den weitgehend konstanten Wasserstand ähnlich günstige Voraussetzungen für die Hausbooterschließung, wie vergleichbare Standorte in Amsterdam. Wie dort sollte jeder Lieger unmittelbar von der Straße aus zugänglich sein.

Ziel ist es den Stadtteil durch das Platzieren von Hausbooten und schwimmenden Häusern aufzuwerten, ihn zu beleben und um eine innovative Facette zu bereichern. An den Zustand, die Nutzung und die Gestalt der Lieger wurden deshalb hohe Anforderungen gestellt. Stadtgestalterisch wurden den Vorschlägen, die sich an Objekten der Wasserwelt orientieren, bessere Chancen eingeräumt als in den Kanal gesetzten Häusern.

Nach einer unabhängigen Vorprüfung hat eine Jury unter den anonym eingereichten Vorschlägen zehn Vorschläge ausgewählt und nach städtebaulichen Kriterien eine Verteilung der Lieger auf die einzelnen Plätze vorgeschlagen. Die Bewerbung erfolgte nicht auf einen genau bestimmten Platz, sondern auf einen beliebigen der Plätze. Es wurde daher vorausgesetzt, dass jeder Bewerber sich grundsätzlich mit jedem der zehn möglichen Plätze als zugewiesenen Liegeplatz einverstanden erklärte. Beabsichtigt war es, ein Ensemble unterschiedlicher, aber zueinander passender Lieger zu realisieren.

Im September 2006 wurden die Unterlagen für die Bewerbung bekannt gegeben und die Teilnehmerregistrierung für den Wettbewerb begann. Aus anfänglich über 400 Interessenten ließen sich 133 Bewerber registrieren. Von ihnen gaben 81 bis zum Ende der Bewerbungsfrist am 8. Januar 2007 einen Entwurf ab. Am 23. März 2007 endete die Frist zur Abgabe der Bewerbungen und des geforderten Modells.

Jury: “Besondere Architektur”

Die Auswahlkommission tagte am 2. Mai 2007. Aus den 81 Bewerbungen wurden 10 zur Realisierung ausgewählt und 20 potentielle Nachrücker bestimmt. 51 Teilnehmer schieden aus.

Zum Entwurf Nr. 1015, hinter dem sich die Peißnitz verbarg, urteilte die Jury: „Der Umbau eines bestehenden Wohnschubschiffes unter modernen Gestaltungsaspekten erweitert das Spektrum der bestehenden Hausboottypen und bereichert den Standort um ein maritimes Element besonderer Ausstrahlung. Aus diesem Grund sollte es als „besondere Architektur“ (Zitat Jury) den westlichen Auftakt des zweiten Liegefeldes an der Richardstrassenbrücke markieren.

Von den zehn Hausbooten sind inzwischen neun fest im Eilbekkanal verankert und bewohnt. Die Peißnitz ist nach einer 400 Kilometer langen Reise von ihrem Umbauhafen Hoya/Weser nach Hamburg am 19. Juni 2009 unter der Reesendammbrücke hindurch gefahren um für die nächsten 50 Jahre ihren Liegeplatz zu Füssen der Richardstrassenbrücke im Eilbekkanal einzunehmen. Die Endmontage erfolgte vor Ort.

Das Obergeschoss der Peißnitz wurde für die Überführungsfahrt und natürlich besonders für die Brückenpassagen in Hamburg in das Untergeschoss eingesenkt. Dadurch ergab sich eine Gesamthöhe über Wasser von rund 250 Zentimetern. Diese technologische Lösung fand die besondere Beachtung der Jury: „Als gelungen wird die Lösung des Problems der Brückengängigkeit durch hydraulisches Absenken des Obergeschosses in den Rumpf bewertet“. Mit zusätzlichem Wasserballast versehen, tauchte sie noch tiefer ein und passierte die Reesendammbrücke mit einem Luftraumraum zwischen Dach und Brückenbogen von zwei Zentimetern.